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Saarbrücker Zeitung vom 22./23. April 2006

 

Theresia lässt Rosen regnen

In der Jakobuskirche in Heusweiler-Kutzhof hat die Volksfrömmigkeit Ausdruck gefunden – Gotteshaus wartet mit liebenswerten Überraschungen auf

 

 Schlicht und dennoch beeindruckend: Das Innere der schmucken Dorfkirche, hier ein Blick in den Altarraum.

 

Am Weißen Sonntag empfangen die Kinder in Heusweiler-Kutzhof zum ersten Mal die* Heilige Kommunion in ihrer Pfarrkirche St. Jakobus der Altere. Die kleine Dorfkirche ist ebenso schlicht wie schön.

 

VON SZ-MITARBEITER WALTER FAAS

Fotos: Becker & Bredel

 

Heusweiler. Der Kutzhofer Drang zum eigenen Gotteshaus sorgt ausgangs des 19. Jahrhunderts für Tagesgespräche im Köllertal und für Schlagzeilen in der St. Johanner Volkszeitung. Wenig gehorsam ihrem Bischof gegenüber kaufen Kutzhofer Christen 1892 ein Grundstück. Sie brechen Sandsteine und fahren Sand bei. Sie mauern hoch und zimmern Kirchenturm und -dach. Auf eigene Kosten lassen sie Glocken gießen und dürfen zunächst in ihrer fertigen Jakobus-Kirche doch keinen Gottesdienst feiern. Reumütig erbitten die (wie ihr Schutzpatron Jakobus) zielstrebigen Kutzhofer nun beim „Hochwürdigsten Herrn Bischof“ Verzeihung für ihre „groben Verfehlungen und ihr bedauernswertes Vergehen gegen die kirchlichen Behörde“ und werden erhört: Am 19. Juni 1929 verleiht der Trierer Bischof Franz Rudolph Bornewasser der bis dahin so genannten „Kapellengemeinde" mit den Gemeinden Kutzhof, Lummerschied, Mangelhausen und Numborn den Status einer selbstständigen Pfarrei.

1998, zum hundertjährigen Bestehen der Jakobuskirche, macht sich die Pfarrgemeinde erneut ans Sammeln: Dach neu eindecken, Außen-Fassaden renovieren, Sandsteine erneuern, die in die Jahre gekommene Kirche auch innen sanieren lauten die Aufgaben, die zu finanzieren sind.  

 

Schlichte Innen-Gestaltung

Wer heute in die Jakobusstraße einbiegt, erkennt auf halbem Berg den schmucken Kirchenbau. Die äußerlich klar gegliederte und ansprechende Anlage als Dorfkirche setzt sich im Innern fort. Schlicht nach Erfordernissen des Zweiten Vatikanischen Konziles gestaltet, weisen zahlreiche Besonderheiten auf den Gemeinschaftssinn der Kutzhofer Katholiken hin.

Die Bleiglasfenster beispielsweise: 1911 gefertigt, haben sie nicht nur zwei Weltkriege unbeschadet überstanden, sondern bezeugen in eindrucksvoller Weise Volksfrömmigkeit, festgemacht an den farblich prächtigen Bildnissen etwa des Schutzpatrons Jakobus, des Heiligen Wendelin, der Heiligen Elisabeth oder der Heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute und damit vieler Kutzhofer Familienväter. Die Väter waren es, aber auch die Frauenvereine im Ort, die die farbenprächtigen Bleiglasfenster gestiftet haben.  

Altar in St. Jakobus.

Der Theresienaltar hat seit 1981 seinen Platz in der Kirche gefunden. Die Verehrung der Heiligen Theresia von Lisieux hat in Kutzhof Bedeutung weit über die Grenzen des Saarlandes und des Bistums Trier erlangt, seit Michael Kettel, Pfarrer im Ruhestand, eine Reliquie (eine in ein schlichtes Holzkreuz gefasste Haarlocke der Heiligen) nach Kutzhof gebracht hatte. Unterbau und Mensa des von Kettel überwiegend aus Spenden finanzierten Altars sind meisterhaft aus feinem, hellrotem Sandstein gearbeitet. Über der Mensa erhebt sich ein mit Rosenmotiven kunstvoll gemeißelter Sandsteinblock. Darüber befindet sich eine große Bronzebüste der Heiligen, die große Mengen Rosen trägt in Erinnerung an ihr Versprechens „Ich werde Rosen regnen lassen." Der vom Künstler Roman Heid geschaffene Theresienaltar weist weitere Besonderheiten auf, etwa sieben Bronze-Reliefs mit Darstellungen aus ihrem Leben. Im Theresienschrein einziseliert finden sich die Namen zahlreicher Kutzhofer Familien, die damit dokumentieren, dass sie sich dem Schutz und der Fürsprache der Heiligen anvertrauen. Bis heute pilgern hunderte Menschen Anfang Oktober zur Theresienfeier und wallfahren im Sommer von Kutzhof aus nach Lisieux an die Stätten der Heiligen aus der Normandie.

Der ebenfalls von Heid stammende Familienaltar zeigt Szenen aus dem Neuen Testament mit starkem Bezug zum Leben Jesu Christi, aber auch zur großen Bedeutung des Ehesakramentes für eine christliche Familie.

 

Kunstvolle Rokoko-Säule

Der ursprüngliche Hochaltar ist zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils einem einfachen Zelebrationstisch aus rotem Natursandstein gewichen.

Aber just an seiner Stelle sorgte der 1996 verstorbene Pastor Kettel neben der Theresien-Reliquie für eine weitere liebenswerte Überraschung der Kutzhofer Pfarrkirche. Er besorgte sich beim damaligen Trierer Diözesan-Konservator Professor Franz Ronig eine kunstvolle Rokoko-Säule mit schö­nem Strahlenkreuz aus einer ehemaligen spanischen Kirche.

Mag sie auch stilistisch nicht ganz zur angesagten Schlichtheit der Jakobus-Kirche passen, die mehrfach verschlungene Säule setzt hinter dem Zelebrationsaltar das nach dem Zweiten Weltkrieg wieder freigelegte Herz-Jesu-Fenster ausgezeichnet in Szene.

 

Auf einen Blick

Der Pfarrgemeinde mit ihren Kirchen St. Jakobus der Ältere und Christi Himmelfahrt in Lummerschied  gehören aktuell 1769 Katholiken an.

Gottesdienst-Zeiten sind:

In Kutzhof samstags um 19 Uhr, montags um 8.30 sowie mittwochs und donnerstags jeweils um 18.30 Uhr und in Lummerschied sonntags um 8.30 Uhr sowie dienstags und freitags jeweils um 19 Uhr. Weitere Auskunft im Pfarrbüro, (06806) 82463 oder im Internet unter der Anschrift www.pfarrgemeindenholz-kutzhof.de

Nicht nur äußerlich ein schmucker Kirchenbau: Die Kutzhofer Jakobuskirche.