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Dechant Klaus
Leist: Predigt zu einem Sterbeamt Auferstehung Zukunftsperspektive in Gottes Nähe Wir
sind heute Nachmittag in eine Stunde hineingerufen, die man sich nicht wünscht, aber der
wir uns angesichts des jungen Todes von N: stellen müssen. Es ist eine Stunde des
bitteren und endgültigen Abschieds aus dieser Welt. Abschiednehmen, einander nicht mehr
sehen, voneinander gehen, das tut ungemein weh, das lässt uns tiefen Kummer und tiefen
Schmerz empfinden. Abschied nehmen im Angesicht des Todes, das hinterlässt Wunden, Angst,
Trauer und Tränen. Ihr,
liebe trauernden Familienangehörigen, Ihr steht aber in der schwersten Stunde eures
Lebens nicht alleine hier. Wir alle, die wir heute hier bei euch sind, wir wollen euch
nicht alleine lassen, sprachlos und still wollen wir euch begleiten und mit euch für
Euren Sohn und Deinen Bruder, Schwager, Enkelkind und Neffen beten. Und mehr noch: wir
stehen nicht in einem luftleeren Raum irgendwo, sondern hier in unserer Kirche, vor dem
Altar und dem Angesicht des lebendigen Gottes. Und gerade ER, Gott -der Herr des Lebens
und des Todes- spricht euch in dieser Stunde an. Meine
eigenen, meine persönlichen Worte reichen in dieser Stunde nicht mehr aus, um euch die
Zuwendung und den Trost zuzusprechen, der euch, die Familie, in den kommenden Wochen und
Monaten tragen kann und soll. Ich selber müsste angesichts meiner eigenen Betroffenheit
über N: Sterben und seinen Tod schweigen, hätte ich nicht in dieser Stunde die Botschaft
dessen zu verkünden, der alleine die Macht und das Vermögen hat, die Menschenherzen
anzurühren und zu trösten. Das
blühende und junge Leben von N: ist durch seine heimtückische Krankheit jäh beendet
worden. Und es ist für uns alle unverständlich, warum ausgerechnet er, warum ein solcher
Schicksalsschlag und ein solches Leid für Eure Familie? Viele Fragen, ja menschliche
Aufschreie, Verzweiflung und Hoffnung, Niedergeschlagenheit und Ohnmacht haben sich in den
letzten Wochen und Monaten in Eurem Leben die Türe in die Hand gegeben. Es bleiben
Augenblicke und Fragen, an denen wir unsere menschlichen Grenzen kennenlernen und
erfahren. Wir
alle, die wir euren N: gekannt haben, werden ihn in Erinnerung behalten als einen
lebensfrohen, freundlichen, zuverlässigen und guten jungen Mann. Er wusste sein Leben zu
gestalten, konnte seine Lebenspläne in die Tat umsetzen und hatte sein Leben, soweit es
Menschen möglich ist, in der Hand. Die große Zahl derer, die ihm Lebensbegleiter waren
und die in dieser Stunde hier sind, zeigen, wie reich er an menschlicher Freundschaften
und wie beliebt und geschätzt er war. "Ein Rabbi
ging zum Gebet. Währenddessen starb einer seiner Söhne, und seine Frau hatte nun die
schwere Aufgabe, ihm bei der Rückkehr diese traurige Botschaft zu übermitteln. Sie
fragte ihn: 'Du, wie ist das, wenn uns jemand eine kostbare Perle leiht, dürfen wir die
behalten?' Er sagt ganz spontan: 'Ja, wo denkst du hin, liebe Frau, nie und nimmer, die
musst du selbstverständlich wieder zurückgeben!' Sie nimmt ihn schweigend an der Hand
und führt ihn ins Zimmer des Sohnes. Der Rabbi schreit vor Schmerz auf, als er seinen
Sohn tot da liegen sieht, und schaut seine Frau an: 'Jetzt habe ich verstanden.' - er
hält ein wenig inne und zitiert dann die Worte aus dem Buch Ijob: 'Der Herr hat gegeben,
der Herr hat genommen, gepriesen sei der Name des Herrn!'" N:
war euch als euer Sohn und als Dein Bruder geschenkt und hat Euer Ehe- und Familienleben
als kostbare Perle, als ein wertvoller Edelstein, bereichert. Und jetzt zu akzeptieren,
dass er euch genommen ist, das ist menschlich eine Zumutung und nur im Glauben an Gott und
an ein Leben bei Gott zu verstehen. Wie der alttestamentliche Ijob mit Gott gerungen hat,
werdet Ihr Zeit und Kraft brauchen, diesen Willen Gottes anzunehmen. Und
so mag die Botschaft des Apostel Paulus in der Lesung (1 Thess 4,13-18), die wir gleich
hören werden, diese Hoffnung aufstrahlen lassen: Gott hat das letzte Wort, worauf wir uns
verlassen können, auch wenn es zu glauben schwerfällt. Christlicher Glaube ist eine
Herausforderung und spricht unser Innerstes an, er ist in unseren menschlichen Herzen
angelegt und will Antwort suchen und geben auf Gottes Willen und auf seinen Weg, den er
mit uns gehen will: in Leid und in Freude. Unser menschliches Lebensziel ist das neue,
ewige und endgültige Leben bei Gott. Die Auferstehung Jesu und Ostern haben uns eine
Zukunftsperspektive gegeben, dass unser Leben im Tod nicht scheitert, sondern in Gottes
Nähe neu aufblühen kann. Ebenso spricht das Evangelium (Lk 24,1-8) in eure Ratlosigkeit
und Trauer jene kraft- und hoffnungsvollen Worte, dass wir das Leben nicht im Tod suchen
sollen, sondern im österlichen Glauben, den Menschen seit 2000 Jahren leben und bezeugen.
Dieser österliche Glaube wendet sich gegen allen Pessimismus, gegen alle
Hoffnungslosigkeit und vermag aus dem Abgrund und dem Dunkel menschlichen Scheiterns
hinauszuführen in das Licht und in die Sonne des Lebens. Seit Ostern dürfen wir Menschen
neu aufatmen und wieder an das Leben glauben, das Jesus uns selber in Fülle, das heisst
in Freude und Glück verheißen hat. Wenn
die kommende Zeit für Euch auch schwer sein wird, dann dürft Ihr Euch wie die Apostel an
diese Worte Jesu erinnern und Euch mit diesen Worten selbst trösten und trösten lassen.
Denn seine Worte gelten jetzt Euch: Ich bin die
Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er gestorben
ist." Beten
wir jetzt miteinander um Gottes liebendes Erbarmen für N:, beten wir aber auch um den
Beistand und die Nähe Gottes, die um ihn trauern. |