Dechant Klaus Leist: Predigt zum Zweiten Fastensonntag (C) (Lk 9,28b-36):

Anregungen und Auswahltexte zur Liturgie

 Zu den Gesängen - Zur Eröffnung: Morgenstern der finstren Nacht (GL 555,1-3); Antwortgesang: Lehre uns, Herr deinen Willen zu tun (GL 170, 1-8); Credo: Ich glaube an Gott (GL 447); Gabenbereitung: Wie schön leuchtet der Morgenstern (GL 554,1+2); Sanctus: Heilig (GL 491); Agnus Dei: Christus, Gottes Lamm (GL 175); während der Kommunion: Ich will dich lieben (GL 558,1+2+5+6 - abwechselnd mit instrumentalem Orgelspiel); Danksagung: Schönster Herr Jesu (GL 551,1+2+5); Schlusslied: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt (GL 165,1+6).

ZU ERÖFFNUNG UND WORTGOTTESDIENST

 Begrüßung - Jesus Christus, der uns jetzt schon an seiner Herrlichkeit teilhaben lässt, er sei mit euch!

 Einführung - In unserem Alltag hören wir täglich unzählige Stimmen, die auf uns einreden, uns etwas sagen oder mitteilen oder die uns sogar beeinflussen wollen. Es fällt uns oft schwer oder manchmal sind wir sogar damit überfordert, diese Stimmen zu unterscheiden, ob sie für uns wichtig oder unwichtig sind. Die Stimme, die in dieser Stunde zu uns spricht und die uns ansprechen will, ist für uns Christen lebenswichtig: Gott selber verweist auf Jesus Christus, seinen geliebten Sohn, und lädt uns ein, dass wir auf ihn hören sollen. Seine Worte, seine Stimme ist für uns das Leben. Es sind die Worte des ewigen Lebens, wie Simon Petrus einmal bekannt hat.

 Bekenntnis - Er, Gott selber, hat uns in dieser Stunde so zusammengerufen wie wir sind. Öffnen wir nicht nur unsere Ohren, sondern auch unsere Herzen für seine Stimme und bekennen wir vor ihm und voreinander unser Versagen und unsere Schuld. - GL 523 oder 162.

 Tagesgebet -     Gott, du hast uns geboten,

                               auf deinen geliebten Sohn zu hören.

                               Nähre uns mit deinem Wort

                               und reinige die Augen unseres Geistes,

                               damit wir fähig werden,

                               deine Herrlichkeit zu erkennen.

                               Darum bitten wir durch Jesus Christus.

1. Lesung: Gen 15,5-12.17-18 - Gott tritt in das Leben Abrams ein und gibt ihm die Zusage auf reiche Nachkommenschaft. Abram glaubt seinem Gott, so wie er es schon einmal bei seinem Auszug tat. Und Gott schließt dann einen Bund mit ihm.

 2. Lesung: Phil 3,17-4,1 -  Paulus appelliert an seine Gemeinde in Philippi, ihn nachzuahmen und auf die lebendigen Vorbilder im Glauben zu schauen. Er verweist auf Jesus Christus, der den menschlichen Leib verwandeln wird und in der Gemeinschaft mit ihm soll die Gemeinde im Glauben feststehen.

 Evangelium: Lk 9,28b-36 - Die sich an Jesus vollziehende Verwandlung zeigt, dass er zur göttlichen Welt gehört; seine Herrlichkeit wird mit Blick auf Ostern nur für eine ganz kurze Zeit sichtbar, sie lässt sich nicht festhalten. Das Gespräch mit Mose und Elija deuten nicht nur auf den Tod Jesu hin, sondern auch auf seine Auferstehung.

 Fürbitten

Beten wir vertrauensvoll zu Gott unserem liebenden Vater, der auf dem Berg Tabor in der Verklärung seinen Sohn Jesus Christus geoffenbart hat.

·          Für alle Christen, die in diesen Tagen der Fastenzeit Jesus in Werken der Buße und der Nächstenliebe suchen. Gott, unser Vater ...

·          Für all jene Menschen, die nicht mehr glauben können oder ihren Glauben verloren haben. Gott, unser Vater ...

·          Für die Kinder und jungen Menschen in unserer Gemeinde, die sich mit ihrem christlichen Glauben schwer tun. Gott, unser Vater ...

·          Für die gleichgültigen und oberflächlichen Menschen, die nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind. Gott, unser Vater ...

·          In unseren persönlichen Anliegen ... Gott, unser Vater ...

·          Für unsere Verstorbenen, besonders für jene, die wir geliebt haben und die uns nahestanden. Gott, unser Vater ...

Gott, du bist der Vater aller Menschen. Du hast allen dein Wort und deinen Sohn geschenkt. Öffne unsere Ohren und unsere Herzen, damit wir dich verstehen und von dir Zeugnis geben in dieser Welt, heute und alle Tage unseres Lebens.

ZUR EUCHARISTIEFEIER

 Zum Vater unser - Vom Vater ist Jesus gekommen, zum Vater will er die Menschen führen. Deshalb dürfen wir beten, wie er uns zu beten gelehrt hat.

Zum Friedensgruß - Christus ist unser Friede und unsere Versöhnung. Wenn wir auf seine Stimme hören, dann sind wir für seinen Frieden und für die Versöhnung mit Gott und untereinander bereit.

 

Predigt:

Das Geschenk der Gottesbegegnung

Eine überraschende Begegnung

Als Papst Johannes Paul II. vor beinahe zwei Jahren sein Heimatland Polen besuchte, kam es am Rande dieses Besuches an der Wigry Seenplatte im Nordosten des Landes zu einer ungewöhnlichen Begegnung. Der Heilige Vater erinnerte sich an eine Familie Milewski, die ihn bei einer Kajaktour vierzig Jahre zuvor mit einem Glas Milch gastfreundlich aufnahm. Die Papstbegleiter machten auf seinen Wunsch hin diese Familie ausfindig und so fuhren an einem Vormittag auf dem Bauernhof dieser Familie Kardinäle und Bischöfe mit dem Papst vor.

In den Medien wurde nicht spektakulär darüber berichtet, worüber der prominente Gast mit der Bauernfamilie gesprochen hat. Es mögen wohl die kleinen und großen Sorgen, die Freuden und Leiden dieser Familie gewesen sein und auch die Erinnerungen des Papstes an den damaligen Ausflug.

Wenige Tage später wurde Herr Milewski von einem befreundeten Journalisten jedoch auf diese überraschende Begegnung befragt. Er sagte dazu: „Ich habe verstanden, dass ich genau zu dem Leben berufen wurde, das ich führe und nicht zu einem anderen, wie ich bisher glaubte. Früher habe ich mehr als einmal meine Armut verflucht, da schien kein Sinn mehr im Leben zu sein. Und nun kam der Heilige Vater zu unserer Familie und wusste unser Leben zu würdigen. Von diesem Tag an hat sich für mich etwas geändert. Jetzt gehe ich mit Freude in den Stall, um das Vieh zu versorgen. Bis jetzt geschah das nur aus Pflicht, weil das Vieh eben versorgt werden muss. Und jetzt mache ich mir auch keine Vorwürfe mehr, dass meine Kinder nur gebrauchte Kleidung anziehen können.“

Jede Gotteserfahrung greift in die Lebensgeschichte ein

Sicherlich ist der Landwirt sehr bald wieder aus seiner Euphorie herausgeholt und auf den Boden der Wirklichkeit gekommen, doch diese Lebenserfahrung war für Herrn Milewski weitreichend und tragfähig: sein ganz alltägliches Leben in Arbeit und Familie wurde besucht und hat eine Wertschätzung erfahren. In seinen äußeren Vollzügen hat sich das Leben nicht verändert, denn noch immer muss der Bauer mit schwerer und mühseliger Arbeit für den Unterhalt der Familie arbeiten. Doch seine Einstellung zu seinem Leben ist eine andere: es ist sein ureigenes Leben, seine Berufung und sein unverwechselbarer Weg. Die Erfahrung, die diese drei Jünger Petrus, Johannes und Jakobus zusammen mit Jesus machen durften, war auch eine ganz außergewöhnliche. Und bestimmt waren sie auch auf eine solche Gottesbegegnung nicht vorbereitet, denn sonst hätten sie sich wach gehalten und wären nicht eingeschlafen. Diese Taborbegegnung war für sie zunächst ein ungewöhnliches, jedoch auch ein einmaliges und unwiederholbares Erlebnis, das sicherlich auch ihr künftiges Leben verändert hat. Denn dort, wo Gott in das Leben eines Menschen eintritt, ist nichts mehr wie es vorher war. Jede Gotteserfahrung, ob sie mit Leiden und Kreuz oder mit Freude und Jubel geschieht, hat Auswirkungen auf die künftige Lebensgestaltung; jede Gotteserfahrung, ob gewollt oder nicht gewollt, greift so in die Lebensgeschichte eines Menschen ein, so dass das Leben eine neue Dimension bekommt und mit den Augen des Glaubens und der Liebe gesehen und gedeutet wird.

Ein Blick auf Ostern

Petrus hat die Gunst der Stunde erkannt und es für seine beiden Freunde
mitausgesprochen: „Es ist gut, dass wir hier sind.“ In einer Momentanaufnahme wurden sie zu Zuschauern dessen, was Ostern sein wird; das ganz andere und neue Leben in Gottes bleibender Nähe. Und dafür lohnt es sich, diesem Jesus weiter nachzufolgen und das Leben so anzunehmen, wie Gott es für sie vorgesehen hat. Mit dieser Erfahrung bekommen sie noch ein Gotteswort mit auf ihren Weg: es ist mein Sohn und auf ihn sollt ihr hören.

Mit einem solchen Gottesgeschenk im Gepäck sind die Jünger mit ihrem Herrn wieder den Berg hinunter gestiegen und in ihre Lebenswelt wieder eingestiegen. Ein solches Geschenk ist nicht zum Herumposaunen, ein solches Geschenk ist für das Herz bestimmt, das das Leben lenkt. Es war aber ein solches Geschenk für die drei, dass sie für den Weg nach Jerusalem, nach Gethsemani und die dort auf sie wartenden Ereignisse gewappnet waren.

Die Überraschungen Gottes

Gottesbegnungen oder solche Erfahrungen, in denen wir die Nähe Gottes deutlich erkennen oder auch greifbar spüren, sind uns heute genauso geschenkt. Diese können wir nicht vorprogrammieren, selber inszenieren oder per Mausklick bestellen, sondern solche Erfahrungen mit Gott werden uns geschenkt. Oft unvermittelt, plötzlich und vor allem dann und dort, wo wir vielleicht gerade nicht damit rechnen. Es sind die Überraschungen Gottes, mit denen er unser Leben würdigen will, mit denen er uns unsere Berufung erkennen lassen will. Und selbst wenn sich unsere Biographie nicht spektakulär oder gravierend verändert, dann aber doch so, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden und uns selber so annehmen, dass wir wieder bewusster und froher leben.

Vielleicht kann uns das heutige Evangelium und auch Herr Milewski aus Polen in diesen Tagen der Fastenzeit dazu eine Hilfe sein!